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La Mancha - eine Provinz südlich von Madrid - Ziel unserer Reise am Wochenende ... Es ist glühend heiss und trocken. Getreidefelder, die
sich bereits braun gefärbt haben, Olivenhaine, wo nur die Blätter der Bäume grün sind, der Boden trocken und verdorrt, riesige Weinplantagen, die die Feuchtigkeit aus tiefen Brunnen beziehen. Kein Grashalm weit
und breit, kaum Schatten.
Von hier erreichte uns vor einigen Monaten ein Hilferuf von Ana Fernandez. Die Provinz La Mancha ist eine der Hochburgen der Jagd und jedes Jahr reisen Jäger aus ganz Spanien
mit ihren Galgos an. Alle Hunde, die nicht mehr gebraucht werden, weil sie sich verletzt haben, zu langsam oder zu alt sind, werden nach Ende der Saison entweder zur Belustigung Aller erschossen, von Kids
gesteinigt, oder einfach zurück gelassen. Viele von ihnen werden überfahren - sie suchen auf den Strasse nach toten Tieren, um nicht zu verhungern und werden so selbst zu Opfern.
Manchen Menschen (?)
macht die Jagd mit dem Auto auf diese Tiere richtig Freude, viele räumen einfach gedankenlos diese Verkehrshindernisse aus dem Weg. Die, die nicht überfahren werden, oder verhungern und verdursten, landen dann,
wie alle anderen herrenlose Hunde, die eingefangen werden, in der Perrera -- man könnte es Tierheim nennen, wenn nicht - wie in den meisten Teilen Spaniens - die aufgenommen Tiere nach kurzer Zeit getötet werden
würden. Der Veterinär, der die Perrera leitet, interessiert sich herzlich wenig für die Tiere, er kassiert seine Subventionen und überlässt die Tiere, die paar Tage, die sie noch zu leben haben, sich selbst.
Wozu auch in Todeskandidaten investieren. Keine Gesundheitsfürsorge, keine Verpflegung, kein Sonnenlicht. Eingepfercht in dreckigen Käfigen vegetieren sie bis sie erlöst werden.
Ana und eine Handvoll
Freunde wollten/konnten das nicht länger hinnehmen und boten an sich kostenlos um die Tiere zu kümmern, die Zwinger zu säubern, den Tieren Futter, Wasser und auch Zuwendung zu geben und zu versuchen Familien für
sie zu finden. In wenigen Wochen gelang es Ana und ihrem Team eine Sendung im lokalen TV zu bekommen und eine halbe Seite in der lokalen Presse. Eine Internetseite und Kontakt zu anderen Tierschützern in
ganz Europa taten das ihrige und es gelang plötzlich, was niemand wirklich zu hoffen gewagt hatte, Menschen kamen in die Perrera und adoptierten Hunde ... Der Veterinär kassiert die Vermittlungsgebühren und hat
ein schönes Nebeneinkommen. Gesundheitsfürsorge findet weiterhin nicht statt und Ana und ihre Freunde bezahlen die unbedingt notwendigen Dinge aus der eigenen, sehr schmalen, Tasche. Das Alles
funktioniert aber nur für "normale" Hunde, einen Galgo adoptiert in Spanien NIEMAND - ein Galgo ist, wenn er nicht mehr jagen kann, soviel wert wie eine Kanalratte.
Also werden die Galgos vom Veterinär auch nicht am Leben gelassen, sie bringen kein Geld.
Aus dieser Not heraus wandte sich Ana an uns und es war klar, dass die einzige Möglichkeit ein eigenes Gelände
ist, wo diese Tiere ohne getötet zu werden, Aufnahme finden.
Mit diesen Gedanken sind wir nach La Mancha gefahren ....
"Ich halte Euch die Daumen, dass ihr keinen Hund findet" sagt
Jutta von A.L.B.A. beim Abschied in Madrid und ängstlich spähen wir 2 Stunden in die Straßengräben. Wir haben Glück und erreichen unser Ziel ohne zusätzlichen Passagier. Ana Fernandez erwartet uns schon
sehnsüchtig und nach einer Tasse Kaffe und Unmengen Aqua minerale fahren wir los, um einige Stücke Land zu besichtigen, die sich für eine Auffangstation eignen würden. Danach wollen wir in die Perrera ...
Wir sehen Grundstücke, die karg und abweisend wirken und brauchen unsere ganze Phantasie um uns vorzustellen, dass darauf irgendwann ein Rescue-Center entstehen soll. Es gibt nirgendwo Wasser, keinen
Strom ... In Gedanken rechnen wir hoch was es kosten würde hier etwas aufzubauen und bald ist klar, das wird nicht funktionieren, schon gar nicht bis zur nächsten Jagdsaison. Auf dem Weg zu einem der Grundstücke
sehen wir am Straßenrand einen Galgo .... Juan bremst so schnell er kann, ohne einen Unfall zu provozieren und ich springe aus dem Auto, renne zu dem leblosen, seltsam verdrehten, sehr sehr klein wirkenden
Körper und sehe schon, bevor ich ihn ganz erreicht habe, dass es für ihn keine Hilfe mehr gibt. Das Blut blubbert noch aus Nase und After, aber es ist kein Leben mehr in ihm. Ich will es nicht glauben, knie mich
zu ihm, fühle ob er nicht doch noch atmet, obwohl seine Verletzungen deutlich machen, dass es besser ist, dass er es nicht mehr tut. Die letzten Tropfen Leben sickern auf den Asphalt, trocknen aufgrund der Hitze
fast unmittelbar ein und ich knie bei ihm, die Hand auf seiner Brust und wünsche mich nach Deutschland, möchte das nicht sehen, nicht erleben, nicht so hilfslos sein ... die Anderen sind auch gekommen, ich
habe es nicht bemerkt und einige Minuten trauern wir still um dieses Leben, das so sinnlos erloschen ist. Meine Handfläche brennt, als hätte ich in loderndes Feuer gegriffen und Betty sagt: "Du spürst
vielleicht seine Seele" - vielleicht ...
Unsere Gedanken, dass es nicht funktionieren wird mit unseren Plänen, sind wie weggeblasen, denn wir wissen jetzt: es MUSS funktionieren
und unsere Gehirne laufen heiss, während wir uns weitere Grundstücke ansehen, begleitet von dem Bild des toten Hunden, das für uns neu, für Ana und ihre Freunde furchtbarer Allltag ist.
Später beim
Mittagessen treffen wir das komplette Team von Ana und erleben eine Handvoll Menschen, die all ihre Kraft und Energie darauf verwenden nach Lösungen für die geschundenen Kreaturen zu suchen. Sie setzen all ihre
Hoffnung auf uns. Wir wissen, wir können sie nicht im Stich lassen. Wir erfahren, dass die offizielle Vereinsgründung beantragt ist. Eine kleine Gruppe junger Spanier, die in wenigen Wochen soviel erreicht haben
- das nötigt uns hohen Respekt ab. Wir müssen eine Lösung finden !
Nach dem Essen geht unser Weg in die Perrera. Das Gelände ist schäbig, die Umgebung grauenhaft, Müllhalden und "the
hole" - der Ort an dem die toten Tiere entsorgt werden ... ABER das Gebäude überrascht uns. Es ist grade mal 2 Jahre alt und erscheint in einem guten Zustand (von aussen). Als wir eintreten, verschlägt
es uns den Atem - nicht wegen des Gestankes, nicht wegen des furchtbaren Gebells, nicht wegen der Dunkelheit und Armseligkeit, sondern weil die Tiere an den Gittern hängen und vor Glück Menschen zu sehen
überhaupt nicht mehr zu bändigen sind. Pfoten und Nasen werden durch die Gitter gepresst, die Zwingerkollegen werden weggebissen, nur damit man selbst derjenige ist, der die erste Streicheleinheit bekommt,
Schwänze rotieren, hohes, um Hilfe rufendes, Winseln .... Im ersten Zwinger BARAS - ein Galgo ... zusammen mit zwei winzigen Mischlingen bringt er sich fast um, bei dem Versuch durch das Gitter an uns heran zu
kommen. Er schreit und jault, wie ich es von einem Windhund noch nie gehört habe. Seine beiden Vorderbeine sind schräg nach aussen gestellt, der Grund warum er nicht mehr gebraucht wurde ...
Wir müssen eine Lösung finden !
Ana und ihre Freunde öffnen die Zwinger und alle Hunde dürfen - nach 6 endlosen Tagen im Zwinger endlich ins Freie. Aber sie stürmen nicht hinaus, um endlich frische
Luft zu schöpfen, der Enge zu entfliehen, sie scharen sich um die Menschen, können nicht genug davon bekommen an uns hochzuspringen, uns abzulecken, sich an uns zu pressen. Erst als die Menschen nach draußen
gehen, folgen sie uns. Dann werden Bocksprünge gemacht, es wird sich beschnuppert, gespielt, gerannt.
Ein kleines Pekinesenmix-Mädchen weicht nicht von meiner Seite und auch Baras begleitet Betty und mich als wir uns etwas zurückziehen, um die anderen Hunde zu beobachten. Wir unterhalten uns und plötzlich fällt uns auf, dass wir von dem toten Galgo nicht mal ein Bild gemacht haben. Wir fragen Ana, ob wir nochmal kurz zu der Stelle fahren könnten, während Anas Freunde angefangen haben die Zwinger zu reinigen.
Ein kleines Pekinesen-Mix-Mädchen namens Cornelia und Baras schaun uns traurig nach, als wir das Gelände verlassen. Sie wollen nicht mit den anderen Hunden spielen und toben - sie wollen in unserer Nähe
sein.
Als wir unsere Bilder gemacht haben, wollen wir in die Perrera zurückfahren. Plötzlich sag Ana "Da ist der Vanguard-Hund" Der Vanguard-Hund ? Ein schmales, hellbraunes, völlig
verängstigtes Etwas steht am Strassenrand. "Wir jagen ihn seit 2 Wochen, aber wir kriegen ihn nicht zu fassen, er ist zu scheu". erklärt Ana. Ich bitte sie anzuhalten. "Lass es mich
versuchen" höre ich mich sagen und gleichzeitig bin ich vom Scheitern meines Versuches überzeugt. Ich bin auch nicht sicher, ob ich es überhaupt schaffen möchte ... ich habe Angst. Nicht vor dem Hund - vor
dem Schmerz ihn so zu sehen und davor ihm nicht wirklich helfen zu können ... Ich öffne vorsichtig die Autotüre und krieche auf allen Vieren auf die Straße. Sofort ist er fluchtbereit, guckt aber neugierig
was das für ein merkwürdiger, vierbeiniger Mensch ist. Ich lege mich ganz hin, robbe auf ihn zu und winsle leise vor mich hin. Er ist sehr irrtiert. Plötzlich legt er sich ebenfalls hin, beginnt auch zu winseln
und robbt nun ebenfalls auf mich zu. Ganz langsam nähern wir uns einander, beide ängstlich und nervös, flach auf den Boden gepresst. Als er in Reichweiter ist, nehme ich ihn vorsichtig in den Arm und er presst
sich so vehement an mich, dass ich kaum Luft bekomme und weint sich seine ganze Einsamkeit von der Seele. Ich streichle und halte ihn ganz sanft und er beginnt mein Gesicht zu lecken. Ana öffnet ihre Autotüre
und sofort ist er wieder fluchtbereit. Schnell zieht sie sich wieder zurück. Während ich ihn beruhige und beschmuse schleicht Betty sich mit einer Leine an. Vorsichtig bastle ich ein Halsband aus der Leine, aber
als er es spürt, gerät er sofort wieder in Panik. Ich sage Betty sie soll die hintere Tür des Autos öffnen und alle anderen zumachen und auch alle Fenster. Als der Wagen bereit ist, knuffle ich die Nase nochmal,
greife dann fest zu, hebe ihn hoch, renne mit ihm zum Wagen und in Sekundenschnelle sind wir Beide drin. Tür zu - geschafft ! Ich kann es nicht fassen und streichle und küsse den Hund, der sich jetzt wieder ganz
fest an mich presst und in seinen Augen steht "Enttäusche bitte mein Vertrauen nicht - bitte !" Und genau das werde ich tun - sein Vertrauen enttäuschen - ich werde ihn in eine Perrera
bringen - zwar sicher vor Autos und seit Ana und ihre Freunde sich kümmern auch sicher vor Verhungern und Verdursten, aber ich werde ihn in dieses furchtbare Gefängnis bringen. Ich fühle mich grauenhaft und
Betty und Ana versuchen meinen Verstand mit vernünftigen Argumenten zu erreichen, während ich nur Herz bin und die Maus nie wieder loslassen möchte. Es ist übrigens ein Mädchen, wie ich jetzt sehen kann und wir
beschliessen, sie FUTURA zu nennen, als Symbol dessen wofür wir in der Zukunft arbeiten wollen. Wir müssen eine Lösung finden !
Wir kommen zurück in die Perrera und drei Leute sind nötig, um
Futura auf das Gelände zu bringen. Sie hat Todesangst und ich muss sie erstmal vor all den anderen Hunden, die sich neugierig auf sie stürzen beschützen. Die Mauern des Geländes sind niedrig und in dem
ganzen Tumult springt ESCAPE, ein Jagdhundmix über eine der Mauern. Futura sieht es und setzt an ihm zu folgen. Ein Schrei, ein Hechtsprung - ich kriege sie gerade noch zu fassen ... das war knapp. Nachdem
wir 10 Hunde die sich dann über Futura und mir stapelten beiseite geschafft haben, sichern wir diesen Teil der Mauer. Zwei Freunde von Ana stürmen los, um Escape zurück zu holen und schaffen es. Gott sei Dank !
Betty und ich gehen wieder zu dem etwas geschützten Platz, wo wir zuvor mit den anderen beiden Hunden waren, damit sie sich dort ein wenig beruhigen kann und BARAS und CORNELIA folgen uns, als wäre es
das Selbstverständlichste auf der Welt. Da sitzen wir auf altem Gerümpel: Betty, ihr eigener Hund, Baras, Cornelia und Futura -ein kleines Rudel das zusammen zu gehören scheint.
Ich gehe nach einer
Weile mit der Kamera durch das Gelände und Futura wagt nicht mir zu folgen, aber lässt mich keine Sekunde aus den Augen. Ich rufe Petra vom Handy an und bitte sie sofort ein Rundmail zu machen, dass wir
zumindest diese drei Nasen dringend rausholen müssen. Keine Ahnung wie, aber wir müssen eine Lösung finden !
Nach und nach lasse ich dann die anderen Hunde an Futura ran und nach 2 Stunden wagt
sie es auch alleine übers Gelände zu laufen, immer mit Seitenblick zu uns. Der Gedanke sie in einen dieser Zwinger zu stecken, ist mir unerträglich. Ich spreche mit Ana und wir einigen uns, dass sie mit Elsa
und Dani, zwei anderen Hündinnen draussen leben darf, bis wir eine Möglichkeit finden sie zu holen.
Es wird Zeit die Perrera zu verlassen, alle Zwinger sind sauber, alle Hunde satt und geduscht und
wieder in ihren Zwingern. Auf die Helfer warten zu Hause ihre Familien, die nicht immer Verständnis für ihre Arbeit haben. Als wir gehen, steht Futura am Zaun und sie versteht nicht, dass ich sie verlasse. Ich
habe Angst, dass ich sie nie wiedersehen werde, habe Angst, dass sie getötet wird oder wieder ausbüchst und somit auch sterben wird. Aber wir haben keine Chance auf einen Impfpass, keine Chance sie mitzunehmen,
wir müssen zurück. Zu ALBA können wir sie nicht bringen, das Tierheim ist brechend voll.
Als wir bei Ana Zuhause ankommen, will niemand essen - wir wollen nur reden, reden, eine Lösung finden. Und wir
entwickeln in dieser Nacht einen Plan, der eine Chance hat, dass wir ihn in die Tat umsetzen können. Wir werden der Stadtverwaltung anbieten, dass ASPA (so der Name des Vereins von Ana) die Perrera
übernimmt. Wir werden anbieten, dass sie die Subventionen stark kürzen können, wenn sie zustimmen und werden anbieten, dass Greyhound Rescue NL und Far from fear die finanzielle und logistische Absicherung
übernimmt. Betty versucht Anne Finch für unser Projekt zu gewinnen und sie dazu zu bringen ein positives Commitment abzugeben. Wir werden - mit aller Diplomatie und Rücksichtnahme auf die Mentalität der
Verantwortlichen - versuchen sie davon zu überzeugen, dass die Stadt/die Region durch eine solche Maßnahme ein positives Image bekommt - in Holland, in Deutschland, in England, in Österreich und der Schweiz. Wir
werden anbieten aus dieser Perrera ein Kommunikationszentrum zu machen, das nicht nur Hunde rettet, in neue Familien vermittelt, sonder das sich auch um Aufklärung an den Schulen bemühen wird, das Anlaufstelle
für Tierliebhaber der ganzen Provinz werden soll. Wir werden einen Auflesedienst anbieten und aus diesem jetzt trostlosen Flecken Erde ein kleines Paradies machen.
In Juan haben wir einen sehr
diplomatischen Mann, der sehr gut mit den Behörden umgehen kann, der Jeden in der Provinz kennt und uns genau sagen kann wie wir die Leute am Besten überzeugen.
Wir werden versuchen mit ALBA ein Abkommen
zu treffen, dass sie uns mit dem Katrationsmobil helfen, bis wir eine andere Lösung gefunden haben, die Hunde vor Ort zu kastrieren.
Bis klare Verhältnisse geschaffen sind, werden wir versuchen die
Lebensbedingungen der Hunde in dieser Perrera zu verbessern und wir erwarten in Kürze eine Liste der Dinge, die Ana und ihr Team am Nötigsten brauchen.
Wir müssen eine Lösung finden
und wir WERDEN sie finden und Alle, die zweifeln, ob wir das Richtige tun, laden wir ein mit uns dahin zu fahren und vor Ort das Elend, aber auch das Engagement und die Power dieser jungen Spanier zu erleben.
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