Hundebesuch Senioren
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Hundebesuch bei Senioren

Allgemeines:

Wenn Sie mit Ihrem Hund vorhaben mal eine Seniorengruppe oder einzelne Senioren zu besuchen, dann sollten Sie das nicht nur ausschließlich als „Streichelstunde“ gestalten, sondern die Senioren auch zur Kommunikation mit dem Hund, mit Ihnen und untereinander animieren. Der unmittelbare Kontakt (das Anfassen, Streicheln, Fühlen) zum Hund ist für die, die sich trauen ein sehr schönes Gefühl und steht somit natürlich im Vordergrund.

Ich biete Ihnen hier einige sehr bewährte
Hilfsmittel an, die Sie bei der Ablaufgestaltung und den Gesprächen während des Hundebesuches unterstützen können.

Vorbereitung des Besuches

Da für die Senioren das Leckerlifüttern meist im Mittelpunkt steht, sollten Sie handelsübliche Leckerlis nicht in ihrer Originalgröße verwenden sondern vorher halbieren oder sogar vierteln. Auch die Verwendung unterschiedlicher Leckerlis ist für die „Leistungsbereitschaft“ Ihres Hundes von Vorteil. Sie könnten z.B. mit Trockenfutter-Leckerli starten und nach ca. der Hälfte der Zeit auf kleine Wurst- oder Käsestücken (Sie wissen schon was Ihrem Hund am besten schmeckt) wechseln.

Besorgen Sie sich auch rechtzeitig vor Ihrem Besuch die nachfolgend erwähnten Utensilien (Becher, Schlauch usw.).

Besuchsablauf

Allgemeines:

Sie sollten, egal ob Sie Einzelpersonen oder Gruppen besuchen den Raum immer nur mit Ihrem angeleinten Hund betreten. Senioren hören oft schlecht und könnten sich erschrecken wenn der Hund fast „lautlos“ herein kommt. Eine deutlich vernehmbare Begrüßung sollte eben so selbstverständlich sein. Fragen Sie auch gleich nach dem Befinden und der Stimmung, damit Sie sich und die beabsichtigten Hunde-Aktionen darauf einstellen können. Fragen Sie bei Einzelpersonen auch ob der Besuch überhaupt genehm ist und akzeptieren Sie ggf. auch mal eine Ablehnung.

Stellen Sie sich und Ihren Hund (zumindest beim ersten Mal) ausführlich vor. Wiederholen Sie Ihren Namen ggf. auch mehrmals, falls Sie bemerken, dass man nicht weiß, wie man Sie ansprechen soll. Sagen Sie ausdrücklich wie Sie angesprochen werden wollen (z.B. „Ich würde mich freuen, wenn Sie mich mit „Thomas“ ansprechen.“). Zur Vorstellung Ihres Hundes reicht es nicht nur dessen Namen zu erwähnen. Auch Rasse, Geschlecht und Herkunft usw. sind für die Senioren von großem Interesse.

Geben Sie dem Hund nun Zeit jeden einzeln zu beschnuppern (das gilt insbesondere beim ersten Besuchstermin). Fragen Sie dann ob alle damit einverstanden sind den Hund abzuleinen. Falls jemand verneint, korrigieren Sie die Sitzordnung, damit ausreichende Distanz zu ängstlichen Personen gehalten werden kann.

Lösen Sie nicht nur die Leine vom Halsband sondern nehmen das gesamte Halsband mit ab! Auch zusätzliche Halsbänder (Zeckenhalsbänder oder Schmuck) sollten Sie abnehmen. Damit erleichtern Sie Ihrem Hund den „zivilen Ungehorsam“. Er kann sich viel leichter bedrohlichen Situationen entziehen, wenn er nicht am Halsband festgehalten werden kann (und das passiert leider sehr sehr oft in Seniorengruppen).

Wenn Sie Einzelgespräche mit „Ihren“ Senioren führen, begeben Sie sich möglichst auf Augenhöhe (hocken Sie sich bei Sitzenden hin. Sitzende Personengruppen können Sie jedoch auch im Stehen ansprechen.). Sprechen Sie die Senioren grundsätzlich nur mit „Sie“ an (nicht mit „Du“, auch dann nicht, wenn das die Senioren untereinander tun). Wenn Ihnen nur die Vornamen der Personen bekannt sind, dann bleiben Sie trotzdem beim „Sie“ (z.B. „Das haben Sie aber gut gemacht, Else!“).

Sie werden sehr bald feststellen, dass zunächst sehr schweigsame und zurückhaltende Menschen beginnen Ihren Hund anzusprechen oder sogar Ihnen etwas erzählen zu wollen. Nach einer Eingewöhnungsphase sollten Sie zu derartigen Gesprächen ermuntern indem Sie Fragen stellen (z.B.: „Hatten Sie auch mal ein Haustier?“) Falls Ihnen immer wieder (auch nach kürzesten Zeitabständen) das gleiche erzählt wird oder die gleichen Fragen gestellt werden, bleiben Sie geduldig (häufig liegt eine altersbedingte Alzheimererkrankung vor). Wechseln Sie einfach mal das Thema. Gleiches gilt bei aggressivem Verhalten, das bei älteren Menschen durchaus vorkommen kann. Vorschläge zu Gesprächsstoff allgemeiner Art finden Sie unter „Hilfsmittel“.

Sie sollten – vor allem am Anfang – nicht, auch wenn sie es verlangen:

  • Senioren zur Toilette begleiten
  • Zu Trinken oder zu Essen geben (vielleicht dürfen sie keinen Kaffee trinken oder Plätzchen essen)
  • Die Senioren zurück zu ihrem Zimmer oder anders wohin begleiten.

Bitte fragen Sie immer das Personal!

Leckerli füttern:

Ganz besondere Freude haben die Senioren am Füttern von Leckerlis (s.a. Vorbereitung des Besuches). Nicht jeder kennt sich damit aus und deshalb sollten Sie die richtige Fütterungsmethode ausführlich demonstrieren und dabei auch erläutern. Hierbei gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten, die Sie alternativ anbieten sollten (das hilft besonders den ängstlichen Senioren).

Weisen sie ausdrücklich darauf hin, dass herunter gefallene Leckerlis nicht wieder aufgehoben werden dürfen. Nicht jeder Hund akzeptiert das bei Fremden. Es könnte ein „Kampf“ ums Futter geben. Deshalb heben immer nur Sie herunter gefallene Leckerlis wieder auf. Erklären Sie das ohne dabei aber Angst vor Ihrem Hund zu schüren.

Füttern aus der flachen Hand: Legen Sie der Person, die füttern will, ein Leckerli auf die flache Hand. Beobachten Sie dabei, ob die Person die Hand ruhig hält (ohne zu zittern) und ohne Angst dem Hund anbietet.
Gegebenenfalls unterstützen Sie deren Hand mit Ihrer Hand und schützen deren Fingerkuppen, indem Sie diese mit Ihren Fingern umschließen.

Leckerlis zwischen den Fingern halten: wenn die Senioren keine Angst (mehr) haben, dass der Hund beißen könnte – zeigen Sie ihnen selbst, wie sanft er die Leckerlis ohne die Finger zu berühren nehmen kann -, dann ist diese Art der Fütterung besonders gut als Motorikübung geeignet. Eventuell halten Sie etwas größere Stücke für diejenigen bereit, die die winzigen Bröckchen gar nicht halten können.

Leckerli zuwerfen: Gerade für ängstliche Personen ist das Zuwerfen von Leckerlis eine sehr gute Alternative. Wenn Ihr Hund die Leckerlis sogar fangen kann (das sollten Sie versuchen ihm beizubringen) dann ist das auch gleich für die Anderen eine tolle Unterhaltung.

Fütterung durch Schlauch: Eine weitere sehr beliebte Fütterungsmethode ist die durch eine Schlauch oder Rohr. Evtl. haben Sie (z.B. von einem alten Staubsauger) ein Saugschlauch oder Rohr, das Sie auf ca. 1,5m Länge zuschneiden können. Diesen Schlauch geben Sie dann einer Person in die eine Hand und in die andere ein Leckerli, das dann in den Schlauch gesteckt wird. Es kullert durch den Schlauch und nach wenigen Versuchen wird Ihr Hund schon am unteren Ende des Schlauches auf das herausrollende Leckerli warten. Auch diese Alternative wird meist mit Begeisterung von allen gern praktiziert.

Leckerli im Becher verstecken: Nehmen Sie sich drei undurchsichtige Plastikbecher mit zu Ihrem Besuchseinsatz. In einen dieser Becher platzieren Sie dann ein Leckerli, stellen alle drei Becher auf den Kopf gestülpt auf den Boden, verschieben diese wie beim Hütchenspiel und lassen dann die Senioren erraten unter welchen Becher das Leckerli liegt. Die korrekte Auflösung dieser Frage erledigt dann Ihr Hund, der nach kurzer Lernphase wahrscheinlich auf Anhieb den richtigen Becher mit der Pfote umwirft und sich über das Leckerli hermacht. Auch das ist ein toller Spaß für alle!

Bei dieser Fütterungsart bietet es sich an über den sehr sehr empfindlichen Geruchssinn von Hunden zu reden. Auch Hinweise auf Ausbildungen zum z.B. Rettungs-Spürhund, Drogen-Spürhund, Lawinen- Spürhund usw. sind spannende Themen, die zum Reden und Mitdenken anregen.

Leckerli im Zimmer verstecken: Sofern Ihr Hund das Kommando „such Leckerli“ kennt, können Sie natürlich auch Leckerlis von den Senioren im Zimmer verstecken lassen, die Ihr Hund dann aufspürt. Ganz besonders spannend wird es, wenn die Leckerlis unter den Stühlen der Senioren versteckt werden, sofern diese keine Probleme mit der engen Berührung haben. Die Senioren werden den Hund mit wichtigen Hinweisen über evtl. noch versteckte Leckerlis sehr gerne unterstützen.

Füttern aus dem Kong: die Senioren werden begeistert feststellen, wie klug der Hund ist, wie er Nase und Pfoten einsetzt, um an die Leckerbissen heranzukommen.

Unterschiedliche Leckerlis: Sie können auch in Form und Farbe unterschiedliche Leckerlis anbieten, die sich die Senioren aussuchen können. Sie können diese Leckerlis in einer Dose reichen, die von einem zum anderen weiter gereicht wird. Das fördert die Aufmerksamkeit, verlangt Entscheidungen und trainiert ebenfalls die Motorik. Schön ist, wenn der Hund solange sitzen bleiben kann, denn die Suche aus dem Beutel kann etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Sollten Sie Ihre Leckerlis selber backen, ergibt sich daraus auch genügend Gesprächsstoff, vor allem mit den älteren Damen.

Manche Senioren füttern gerne ihre eigenen Leckerlis. Da sollte jeder entscheiden, ob dies erwünscht ist bzw. welche Sorten erlaubt sind. Achten Sie darauf, dass keine Süßigkeiten gegeben werden.

Sie sehen, das Leckerli Füttern kann sehr unterhaltend gestaltet werden und regt dann meist auch zu angeregten (Durcheinander-)Reden an.

Pfötchen geben und andere Kunststückchen

Glauben Sie nicht, Ihr Hund müsse wie ein Zirkustier lauter tolle Kunststückchen beherrschen. Wenn er das tut, dann ist das natürlich hilfreich für die Unterhaltung Ihrer Besucher aber Voraussetzung ist das keinesfalls.

Das Pfötchen geben (bei Begrüßung oder Verabschiedung) kommt allerdings immer sehr gut an. Wenn Ihr Hund das noch nicht kann, dann geben Sie das ruhig zu und versuchen es ihm einfach im Rahmen Ihrer Besuche beizubringen. „Ihre“ Senioren werden Sie darin begeistert unterstützen!

Wenn der Hund die Senioren schon gut kennt, können diese ihn rufen, oder ihm auch Befehle geben (Sitz). Das sollten Sie allerdings behutsam einführen und immer ganz nahe dabei sein, damit nichts schief läuft. Achten Sie dabei darauf, dass immer nur einer Kommandos gibt und nicht mehrere gleichzeitig.

Weitere Aktivitäten

Bei apportierfreudigen Hunden und größeren Räumen können Ballspiele angeboten werden.

Sie können Halsbänder und Halsschmuck wechseln, bevor der Hund abgeleint wird. Manche Senioren werden es bemerken, andere machen Sie dann darauf aufmerksam.

Manche Senioren werden sich über die langen Beine, Rute oder Nase unserer Galgos wundern. Bringen Sie beim  nächsten Mal ein Messband mit und lassen Sie die Senioren die Maße raten!

Bringen Sie Fotos (möglichst im Format 20 x 30 cm) von anderen Galgos mit und lassen Sie die Senioren die Unterschiede zum Besuchshund herausfinden. Die Senioren können auch aus den Fotos den schönsten Hund aussuchen, vielleicht können sie ihre Wahl erklären.

Bringen Sie eine Fotokamera mit, und verteilen Sie beim nächsten Besuch Fotos der Senioren mit ihrem Hund.

Nutzen Sie die Pausen: sollte Ihr Hund sich hinlegen, wird dies meist von den Senioren liebevoll gegönnt („der arme Hund hat ja schwer gearbeitet“). Lassen sie die Senioren ein Schlaflied für den Hund singen („Schlaf, Hündchen, schlaf“).

In manchen Einrichtungen sind Spaziergänge im Garten/Park möglich. Lassen sie, wenn möglich, die Senioren die Leine halten. Achtung: Die Leine darf dabei nur ganz einfach in den Fingern gehalten werden (keine Schlaufen um das Handgelenk ö.ä.). Wenn der Hund plötzlich anspringt, soll er den Senioren die Leine aus der Hand reißen ohne das diese lang hinschlagen. Notfalls sichern Sie den Hund mit einer 2. Leine, die Sie fest in der Hand behalten.

Abschluss eines Besuches

Um das Ende jeder Besuchsstunde für alle eindeutig kenntlich zu machen, bietet es sich an, zunächst die ungeteilte Aufmerksamkeit aller einzufordern und dann ein immer wiederkehrendes „Schlussritual“ einzuführen. Ein sehr bewährtes Beispiel ist der „Spruch des Tages“ (der möglichst einen Bezug zu Hunden oder wenigstens Tieren hat), der am Ende der Besuchsstunde aufgesagt wird. Unter der Rubrik „Hilfsmittel“ biete ich Ihnen eine ausreichende Sammlung derartiger Sprüche an.

Nach diesem „Schlussritual“ sollte der Hund nicht mehr gestreichelt oder sonst irgendwie in Anspruch genommen werden. Achten Sie streng darauf! Er hat jetzt „Feierabend“ (denn für ihn war der Besuchsdienst harte Arbeit) und das sollten alle respektieren.

Wie geht man mit Behinderten um?

Diese Frage stellt sich ausschließlich Ihnen, dem Hundeführer. Ihr Hund unterscheidet nicht zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten. Da hat er uns Menschen viel voraus.

Seien Sie ehrlich zu sich selbst! Nicht jeder kann mit Behinderungen der unterschiedlichsten Art zu Recht kommen. Wenn das in bestimmten Fällen bei Ihnen so ist (z.B. Ekel oder Angst aufkommt), dann sagen Sie das dem Betreuungspersonal ehrlich und ohne Umschweife. Man wird Verständnis für Sie haben und nach einer für Sie akzeptablen Lösung suchen.

  • Informieren Sie sich gründlich über den Zustand bzw. die aktuelle Verfassung der betroffenen Senioren.
  • Vermeiden Sie Mitleidsbekundungen und voreilende Hilfsbereitschaft (fragen Sie erst ob ggf. Hilfe gewünscht wird).
  • Tragen Sie zur Erhaltung der Eigenständigkeit der erkrankten Senioren bei, indem Sie sie auch ansprechen und/oder vom Hund berühren lassen, wenn sie abwesend erscheinen.
  • Arbeiten Sie in der Kontinuität und versuchen Sie, Rituale zwischen dem Hund und dem Erkrankten einzuführen.
  • Versuchen Sie, den Kontakt über Blicke, Gesten und Berührungen herzustellen. Lassen Sie den Hund die Person anschnuppern, die nasse Nase bewirkt oftmals eine Reaktion.
  • Lösen Sie eventuell auftretende Konflikte durch Ablenkung, bzw. setzen Sie sich mit dem Personal in Verbindung. Nehmen Sie solche „Angriffe“ nie persönlich. Schützen Sie ihren Hund vor heftigen Reaktionen, er ist nicht in der Lage, diese richtig zu interpretieren.
  • Reagieren Sie auch auf Ängstlichkeit gelassen, auch zum Schutz ihres Hundes.
  • Falls doch einmal etwas Chaos entsteht, kümmern Sie sich um Ihren Hund. Für die Behinderten bzw. Patienten ist das Betreuungspersonal zuständig. Besprechen Sie die Situation nach Abschluss des Besuches noch einmal in Ruhe mit den Betreuern.


    FFF-
    © Thomas Kumbier 06/2007